Peter S. Beagle - In Kalabrien*

Peter S. Beagle - In Kalabrien

Inhalt 

Claudio Bianchi ist ein Einsiedler. Zurückgezogen lebt er mit einem alten Ziegenbock, seinem Hund, drei Katzen sowie Kühen und Hühnern auf einem alten Bauernhof in den Bergen Kalabriens. Das Leben, fernab von der Moderne, ist hart, aber Bianchi ist zufrieden. Zumindest behauptet er das. Eines Tages trifft er ein Einhorn auf seinem Land. Und diese Begegnung verändert sein Leben von Grund auf. 

Meine Meinung und Fazit

Das Einhorn sucht Bianchi auf, weil es seine Hilfe braucht; tatsächlich ist es aber das Einhorn selbst, das Bianchi hilft. Die Begegnung mit dem Fabelwesen verändert sein Leben und seine Lebenseinstellung: er ist inspiriert, er öffnet sich und kommt aus seinem Schneckenhaus. Bianchi wird in seiner Weltabkehr weder durch den Erzähler, noch durch den Leser kritisiert. Als Leser ist man von Anfang an seiner Seite, fühlt und leidet mit ihm. 

In einer fast schon poetischen Sprache beschreibt Beagle in seinem neuen Buch die Begegnung zwischen Einhorn und Mensch. Deutlich ersteht vor mir bei der Lektüre die Landschaft Kalabriens. Ich fühle den Wind und die Sonne auf meiner Haut. Diese Sprache, die nie kitschig oder platt, sondern in einfachen Sätzen fesselnd und ausdrucksvoll ist, trägt die märchenhafte Erzählung.

Es ist diese Art der Erzählweise, die die Bücher Beagles zu einer Besonderheit der Fantasyliteratur macht. Bereits der Roman Das letzte Einhorn ist dadurch gekennzeichnet. Der Stil harmoniert mit dem Motiv des Einhorns: er ist weder wild, noch chaotisch oder gewöhnlich. Er ist ebenso besonders wie das Einhorn, das immer Magie und Ruhe ausstrahlt. 

Dabei enthält das Buch durchaus Kritik an den modernen Verhältnissen, etwa am Umgang mit der Schöpfung. Beagle zeigt auf, warum das Einhorn in unserer modernen Welt nicht bestehen könnte - ja, vermutlich sogar schon ausgerottet wäre: Dem Menschen genügt nicht das Wissen um Schönheit, er will sie besitzen. So stellt Bianchi einem der Einhornjäger, die auf seinem Grundstück Jagd auf das Wesen machen wollen, die Frage, warum sie das Einhorn nicht einfach nur fotografierten oder filmten und so eine Erinnerung schaffen würden. Er erhält die Antwort, dass der eigentliche Triumph, die eigentliche Errungenschaft aber doch nur die Trophäe an der Wand sei. 

Und so verschwindet das Einhorn am Ende wieder so geheimnisvoll aus der Welt wie es sie betreten hat. Aber es hat doch Spuren in Bianchis Herzen hinterlassen. 

Ein modernes Märchen, das dürfte In Kalabrien beschreiben. Aber vielleicht auch eine Parabel. 

Auf jeden Fall fand ich das Buch sehr lesenswert. Eine Fantasygeschichte, aber doch anders als jene, die ich sonst lese. Die Magie, die ich bereits in Das letzte Einhorn gefunden und geliebt habe, kommt hier zurück. Ein Buch, dass mich voll und ganz überzeugen konnte. 

Peter S. Beagle: In Kalabrien, übers. von Oliver Plaschka, Hobbitpresse in Klett-Cotta, Stuttgart 2018, 164 S., ISBN 978-3-608-96217-8, 16 Euro. 

 

*Dieser Beitrag ist nicht gesponsert und gibt meine persönliche Meinung wieder.