Neal Shusterman - Scythe. Die Hüter des Todes*

Neal Shusterman - Scythe. Die Hüter des Todes

Inhalt 

Mehr als 200 Jahre in der Zukunft hat sich das Leben der Menschen grundlegend verändert: die "Sterblichkeitsära" ist vorbei. Niemand stirbt mehr durch Krankheit, Unfall oder Alter. Der Traum der Menschheit nach Unsterblichkeit ist wahr geworden - die Welt, in der wir leben, perfekt. Dennoch muss die Bevölkerungszahl kontrolliert werden. Verantwortlich dafür ist eine kleine Gruppe Auserwählter, die Scythe. Sie entscheiden über Leben und Tod. Citra und Rowan werden Lehrlinge bei Scythe Faraday, einem der angesehensten Scythe. Aber sie müssen bald erkennen, dass wo Licht ist, auch Schatten ist und Macht korrumpiert. 

Meine Meinung und Fazit

Mit Scythe - Die Hüter des Todes legt Neal Shusterman einen beeindruckenden ersten Band seiner dystopischen Duologie (?) Arc of a Scythe vor. Diese, nicht allzu ferne, Zukunft erscheint als die logische Konsequenz unserer heutigen Welt: die Regierungen sind abgesetzt, es herrscht der "Thunderhead", die Weiterentwicklung der schon heute allgegenwärtigen Cloud. Der Fortschritt reicht soweit, dass die Menschheit die "Sterblichkeitsära" hinter sich gelassen hat: wir sterben nicht mehr, erkranken nicht, spüren keine Schmerzen. Jedes Wissen steht unbegrenzt zur Verfügung. Einzig die Scythe sind die Herren über Leben und Tod. Sie "lesen nach", wen sie auserwählt haben. Dieses Ende ist endgültig. Eine beängstigende Vorstellung, der Gedanke, dass einige wenige, seien sie noch so auserwählt, über Leben und Tod, die elementarste aller Situationen, entscheiden. Und auch hier wird bald klar, dass, um Spiderman zu zitieren, "aus großer Macht große Verantwortung erwächst". Auch die Scythe sind und bleiben Menschen. Menschen sind schwach, sie machen Fehler und streben nach Macht. Eine gefährliche Situation. 

Dieser Gedanke hat bei mir bei der Lektüre bisweilen Beklemmung ausgelöst. Gerade weil die geschilderte Zukunft so realistisch erscheint, im Gegensatz zu anderen Dystopien wie Veronica Roths Die Bestimmung, der Maze Runner-Trilogie von James Dashner oder Suzanne Collins' Die Tribute von Panem. Die Welt Shustermans, die zu Beginn noch so perfekt und ideal erscheint, ist tatsächlich ziemlich düster. Es ist diese Atmosphäre und Entwicklung, die den Jugendroman auch für Erwachsene interessant macht. 

Die obligatorische Liebesgeschichte tritt hinter den Entwicklungen zurück und ist dennoch handlungsmotivierend. An keiner Stelle tritt sie störend oder unnötig in Erscheinung. Aber weil die Geschichte stellenweise recht bedrückend ist, ist der Leser über das bisschen Nähe fast schon froh. 

Die Sprache ist einfach, aber fesselnd. Interessante Hintergrundinformationen liefern die, den Kapitel voranstehenden, Tagebucheinträge der Scythe. 

Eine grandiose Dystopie, die nicht nur eine äußerst logische Zukunft malt, sondern zugleich beklemmend die Frage stellt, ob es eine perfekte Welt überhaupt geben kann. Eine Dystopie, die sich, obwohl Jugendbuch, in die Werke Orwells und Bradburys einreiht. 

Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, den zweiten Band, Scythe - Der Zorn der Gerechten zu lesen, der voraussichtlich am 14. März erscheinen wird. 

Neal Shusterman: Scythe -Die Hüter des Todes, übers. von Pauline Kurbasik, Kristian Lutze, Verlag Fischer Sauerländer, Frankfurt (Main) 2017, 528 S., ISBN 978-3-7373-5506-3, 19,99 Euro. 

 

*Dieser Beitrag ist nicht gesponsert und gibt meine persönliche Meinung wieder. Der Verlagslink dient lediglich der weiterführenden Information.