Mediä...was?

Mediä...was?

Wie ich in "About" schreibe, habe ich Germanistik studiert und im Jahr 2017 meinen Master gemacht. Mein Studienschwerpunkt lag dabei während des Hauptstudiums, also etwa seit dem 5. Bachelorsemester, auf "Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit", ein zugegeben manchmal etwas trockenes, aber auch sehr spannendes Feld. Spannend zum Einen, weil es noch viele "weiße Flecken" gibt, also Bereiche wie Werke und Autoren, die bisher vergleichsweise wenig beachtet wurden. Über einen dieser weißen Flecken habe ich meine Masterarbeit verfasst, zum späthöfischen Roman Die Kreuzfahrt Landgraf Ludwigs des Frommen von Thüringen. Spannend zum anderen, weil so viele verschiedene Themengebiete in die Mediävistik einfließen: Kunstgeschichte, Theologie, Geschichte, Philosophie, Kultur- und Literaturgeschichte. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele außerhalb sprach- und kulturhistorischer Fächer mit diesem Teilgebiet der Germanistik nur wenig anfangen können. An entsprechende Nachfragen bin ich mittlerweile gewöhnt. Das liegt sicherlich auch daran, dass diese Texte in der Schule kaum behandelt werden. Ich hatte in der Oberstufe im Deutsch-Leistungskurs das Glück, dass meine Deutschlehrerin ein paar wenige Unterrichtsstunden lang auch über Lieder von Walther von der Vogelweide und Hartmann von Aue gesprochen hatte. Sonst hätte sich mein Vorwissen wohl in den modernen Tradierungen der Artusepik und des Nibelungenliedes erschöpft. Aber eigentlich finde ich es sehr schade, dass dieser doch große Bereich der deutschsprachigen Literatur so unentdeckt von der breiten Masse bleibt. 

Im Studium dann hatte ich glücklicherweise einen jungen, motivierten Dozenten in den Einführungsveranstaltungen zur Mediävistik zu haben. Er hat es geschafft, bei uns Erstis das Interesse und den Spaß an der Sprache, aber mehr noch an Lyrik und Epik des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zu wecken. 

(An dieser Stelle herzliche Grüße an meinen Masterarbeitsbetreuer: Ohne Sie hätte ich mich wohl nie für die Mediävistik entschieden.)

Meine Schwerpunkte im Studium waren 

  • Heldenepik (Nibelungen- und Dietrichepik, Rezeption bis in die Moderne)
  • Späthöfischer Versroman (Ulrich von Etzenbach) 
  • Sangspruchdichtung (Walther von der Vogelweide)

 

Ich habe schon gesagt, dass mich an der Mediävistik immer auch die vielen weißen Flecken, die Möglichkeiten neue Wege zu gehen gereizt haben. Konsequenterweise habe ich genau das in meiner Masterarbeit umgesetzt: das späthöfische Versepos Die Kreuzfahrt Landgraf Ludwigs des Frommen von Thüringen ist nicht nur vergleichsweise unerforscht, sondern darüber hinaus auch ein "Grenzfall chronistischer Dichtung". 

Dies ist nur der erste Beitrag einer geplanten Reihe zur Mediävistik oder Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit als Teilgebiet der Germanistik. Vielleicht ist es ein wenig vermessen, aber ich würde mir wünschen, dass eine angehende Germanistikstudentin oder ein angehender Germanistikstudent hierüber stolpert und sich für diesen Schwerpunkt, abseits von Goethe, Kafka und Brecht, entscheidet.