Leigh Bardugo: Das Lied der Krähen*

Leigh Bardugo: Das Lied der Krähen

No mourners, no funerals.

Inhalt 

Kaz Brekker hat sich in Ketterdam, diesem Schmelztiegel der Kulturen, regiert von den Kaufleuten auf der einen Seite und den kriminellen Banden des Barrel auf der anderen, zur rechten Hand eines der einflussreichsten Bandenchefs hochgearbeitet. Für sein Geschick und seine Skrupellosigkeit wird er gleichermaßen gefürchtet und geachtet. Eines Tages erhält er ein Jobangebot, das ihn bei Erfolg sagenhaft reich machen wird. Die Sache hat nur einen Haken: Es ist eine aussichtlose Mission. Doch Kaz ist nicht allein: Begleitet wird er von fünf weiteren Außenseitern. Zusammen wollen sie in das bestgesichertste Gefängnis der Welt eindringen und einen der Insassen befreien.

Meine Meinung und Fazit 

Das Lied der Krähen ist der erste Band der Glory or Grave-Duologie, die in den USA ein Bestseller ist. Der zweite Band, Das Gold der Krähen, ist im September 2018 ebenfalls auf deutsch erschienen. Beide Bände sind im Grishaverse verortet - jene Welt, in der bereits die ebenfalls sehr erfolgreiche Grisha-Trilogie spielt. 

Äußerst überzeugend ist die Welt, die Leigh Bardugo mit Ketterdam schafft. Ich habe mir das Barrel ein wenig vorgestellt wie das Londoner East End am Ende des 19. Jahrhunderts: ein düsterer, schmutziger Ort, an dem Kriminalität, Hunger und Krankheiten herrschen, das aber irgendwie auch seinen ganz eigenen, dunklen Charme ausstrahlt. Vielleicht mit einem Hauch Steampunk. Die Charaktere - die Fab Six, also Kaz Brekker, Inej, Jesper, Nina, Matthias und Wylan - überzeugen und sind so komplex gestaltet, dass jeder Leser Figur finden kann, in der er sich wiederfindet.  

Die Handlung ist dabei in verschiedene Kapitel unterteilt, die jeweils aus der Sicht einer der Protagonisten erzählt werden. Trotzdem ist es eine auktoriale Erzählebene, die den Blick dabei immer auf einen der Charaktere wirft und Einblick in dessen Gefühlswelt gibt. Dadurch werden die Figuren dem Leser vertrauter, was der Identifikation dient. Auch der Blick zurück, in die, zum Teil gemeinsame, Vergangenheit der Protagonisten hilft sie und ihr Handeln besser zu verstehen. 

Viele Jungen werden dir Blumen bringen. Aber eines Tages wirst du einen Jungen kennenlernen, der deine Lieblingsblume in Erfahrung bringen wird, dein Lieblingslied, deine liebste Süßigkeit. Und selbst wenn er zu arm ist, um dir etwas davon zu schenken, so wird das ohne Bedeutung sein, denn er hat sich die Zeit genommen, dich kennenzulernen, wie dich niemand sonst kennt. Nur dieser Junge verdient dein Herz. (L. Bardugo: Das Lied der Krähen)

Obwohl die Lektüre der Grisha-Bände nicht Voraussetzung für Das Lied der Krähen ist, glaube ich dennoch, dass es helfen kann, die Bedeutung der Grisha in der Welt von Kaz und Co. besser verstehen zu können und entsprechend die Geschichte besser verorten zu können. Gerade wer den Wunsch hat, die Welt, die Bardugo erschaffen hat, auch über Ketterdam hinaus zu durchstreifen, sollte die Trilogie lesen. Mittlerweile ist darüber hinaus eine ganze Reihe von Geschichten erschienen, die alle im Grishaverse spielen. Ich selbst habe die Trilogie nicht gelesen und es hat mir auch nicht gefehlt, aber möglicherweise habe ich manche Anspielungen entsprechend auch nicht verstehen können. 

Trotz des faszinierenden Weltbaus und den interessanten Charakteren hatte das Buch mitunter Längen, sodass die Spannung nicht durchweg aufrecht erhalten werden konnte. Insbesondere in der ersten Hälfte habe ich Seiten regelrecht überflogen, weil die Handlung ins Stocken geraten war. Im zweiten Teil dagegen legte die Geschichte deutlich mehr an Fahrt zu und gerade das Ende macht Lust auf den zweiten Band. Möchte der Leser doch erfahren, wie es Kaz und Co. weiter ergehen wird. 

Ich kann den Hype um das Buch bzw. die Duologie verstehen, auch wenn mich die Geschichte emotional nicht ganz so sehr mitreißen konnte wie andere Romane ähnlicher Art. Insgesamt handelt es sich um einen soliden Jugendfantasy-Roman, der mich durchaus überzeugen, wenn auch nicht immer begeistern konnte. Die Grisha-Reihe ist durch das Buch jedoch ganz oben auf meine TBR (to be read)-Liste gewandert und ich denke, dass ich nach dieser Lektüre noch einmal zu Das Lied der Krähen greifen werde. 

Auf den zweiten Band, Das Gold der Krähen, erschienen am 3. September 2018 bei Droemer-Knaur, freue ich mich schon sehr. 

Leigh Bardugo: Das Lied der Krähen, übers. von Michelle Gyo, Knaur Verlag, München 2017, 585 S., ISBN 978-3-65443-9, 16,99 Euro. 

 

*Dieser Beitrag ist nicht gesponsert und gibt meine persönliche Meinung wieder. Der Verlagslink dient lediglich der weiterführenden Information.