Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands. Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.*

Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands. Rezension

Inhalt 

Von Narnia über Mittelerde bis Hogwarts: Wenn berühmte Schriftsteller auf dem Papier ganz neue Welten erschaffen, wird das für den Leser zum Abenteuer. Doch woher nahmen C. S. Lewis, Isaac Asimov und Neil Gaiman die Inspiration für ihre fantastischen Erzählwelten?
(Quelle: Verlagsseite wbg Theiss, Darmstadt)

Meine Meinung und Fazit

Fantastische Welten, Mythen und Heldengeschichten begeistern die Menschen seit Jahrhunderten - die Babylonier ebenso wie die antiken Griechen und Römer, die Menschen des Mittelalters, die Aufklärer und Revolutionäre, die Fortschrittsbegeisterten des 19. Jahrhunderts bis zu den Digital Natives des 21. Jahrhunderts. Ob Gilgamesch, Odysseus, die Helden des Artusstoffes oder Frodo Beutlin und Harry Potter; sie alle verbindet die Liebe der Menschen für ihre Geschichten. Und wie sehr lieben wir es, ihre Welten zu durchwandern, mit der Nautilus zu tauchen, Mittelerde zu bereisen oder im Wunderland Tee zu trinken. In Wonderlands erfährt der Leser nicht nur allerhand Hintergrundinformationen zu Autor und Werk, sondern vor allem lernt er die Quellen und die Inspiration hinter den Geschichten kennen. 

Wie eine Reise durch die Literaturgeschichte ist das Buch gestaltet: Wir beginnen mit Gilgamesch fast 2000 Jahre vor Christi Geburt; über den BeowulfDon Quijote, Die Schatzinsel und Der Zauberer von Oz geht es über die (Frühe) Neuzeit bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem "goldenen Zeitalter der Fantasy". Die Reise geht dann weiter durch die Nachkriegszeit mit Tolkien, Ursula K. LeGuin und Douglas Adams bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts mit J.K. Rowling, Stephen King, Terry Pratchett und Suzanne Collins. 

Leider endet die Reise im Jahr 2015. Und während die großen Namen wie Rowling, Martin, Murakami und King vertreten sind, fehlen mir hier doch auch noch andere große Namen der modernen Fantasy wie Terry Goodkind, Marion Zimmer Bradley, Brandon Sanderson und Robert Jordan. Mir ist natürlich bewusst, dass irgendeine Art von Autorenauswahl erfolgen musste, ist doch inbesondere die Fantasy als Gattung in den vergangenen 20, 30 Jahren enorm gewachsen, aber dennoch hätte ich mir hier eine etwas andere Auswahl gewünscht. Immerhin ist mit Cornelia Funke sogar eine deutschsprachige Autorin vertreten - auf der anderen Seite fehlt Michael Ende, der ohne Zweifel einer der wichtigsten Fantasyautoren des 20. Jahrhunderts ist. Vielleicht muss man hierbei bedenken, dass Laura Miller, ebenso wie die Autoren des Buches, aus dem angelsächsischen Raum kommen. Aber ein Blick abseits des Kommerzes wäre hier wünschenswert gewesen. 

Davon abgesehen überzeugen die Texte durch ihre literaturwissenschaftliche Qualität, setzen sich die Autoren des Buches doch aus Literaturwissenschaftlern und -kritikern zusammen. Die Aufsätze sind fundiert und behandeln, manchmal mehr, manchmal weniger ausführlich, mit dem jeweiligen Werk und seinem Autor auseinander. Der Schreibstil ist dabei ansprechend, flüssig und leicht verständlich, sodass Fantasyliebhaber aller Art, ob mit oder ohne literaturwissenschaftlichen Hintergrund, Spaß daran haben werden, bekannte Welten wieder- und andere neu zu entdecken. 

Ich fand es, obwohl ich mich bereits davor intensiv mit etwa den Quellen Tolkiens und, im Rahmen meines Studiums, mit den Heldenepen und -stoffen des Mittelalters beschäftigt hatte, sehr interessant, zum Einen einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen (neben westlichen, kommen auch östliche Werke und Autoren in Wonderlands vor) und zum anderen noch einmal bestätigt zu bekommen, dass Fantasy bzw. fantastische Welten keine Erfindung der Neuzeit sind, sondern wir im Gegenteil auch hier Zwerge auf den Schultern eines Riesen sind. Ohne ihre vormodernen Wegbereiter wäre die moderne Fantasy, wie wir sie heute kennen und lieben, wohl nicht entstanden. 

Wonderlands bietet einen unterhaltsamen Einblick in die Geschichte der fantastischen Literatur und ist ein passendes Geschenk für jeden Fantasyfan und Büchernarr. Allerdings hätte ich mir doch noch ein kleines Bisschen mehr Vielfalt gewünscht. 

 

Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands, übers. von Hanne Henninger, wbg Theiss, Darmstadt 2020, 320 S., ISBN 978-3-8062-4072-6, 28 Euro. 

 

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag wbg Theiss Darmstadt als Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension entspricht jedoch meiner persönlichen Meinung. Es wurden keinerlei Vorgaben zum Inhalt der Rezension gemacht. Ich erhalte dafür keinerlei Vergütung. Die gesetzten Verlagslinks dienen lediglich der weiterführenden Information.