Jonathan Maberry: V-Wars - Die Vampirkriege*

Jonathan Maberry: V-Wars - Die Vampirkriege

Zum Inhalt

Die Buchvorlage zur großen Netflix-Serie von und mit Ian Somerhalder.
Als der drittklassige Hollywoodschauspieler Michael Fayne neben der brutal verstümmelten Leiche eines One-Night-Stands aufwacht, weiß er zwei Dinge noch nicht. Erstens: Die junge Frau wird nicht sein einziges Opfer bleiben. Und zweitens: Er ist Patient Zero: Träger eines Virus, der aus Menschen … etwas anderes macht.
Der Wissenschaftler Dr. Luther Swann beschäftigt sich mit einem eher aparten Spezialgebiet. Sein akademisches Interesse gilt den volkstümlichen Überlieferungen zum Vampir-Mythos. Als man ihn bittet, Gutachter in einem Mordfall zu werden, ist das für ihn absolutes Neuland. Er ahnt noch nicht, wie gefragt seine Meinung in den folgenden Monaten sein wird. Und welche Entscheidungen ihm abverlangt werden.
Denn als die alten Mythen Wirklichkeit werden und immer mehr Vampire auftauchen, wird Luther Swann zum Experten für das neue Phänomen. Kann er verhindern, dass sich Menschen und Vampire buchstäblich an die Gurgel gehen und gegenseitig auslöschen? Will er das verhindern? Fest steht nur: Amerika hat sich in ein Pulverfass verwandelt und Swann muss versuchen, inmitten der sich überstürzenden Ereignisse einen kühlen Kopf zu bewahren. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Existenz der Menschheit.
Für Leser von Bram Stoker, Anne Rice, Lisa J. Smith und Justin Cronin und Fans der Serien Vampire Diaries, Dexter, The Walking Dead und Buffy.

(Quelle: Fischer TOR Verlagsseite)

Meine Meinung und Fazit

"Für Leser von Bram Stoker, Anne Rice, Lisa J. Smith und Justin Cronin und Fans der Serien Vampire Diaries, Dexter, The Walking Dead und Buffy." Mit diesem Satz bewirbt der Verlag V-Wars. Für mich trifft es das nur bedingt: Weniger erinnert es mich an Anne Rice oder Bram Stoker als vielmehr an die True Blood-Romane von Charlaine Harris und die gleichnamige Serie. True Blood meets The Walking Dead - so würde ich diesen Vampirroman, der aus mehreren Geschichten besteht, beschreiben. Nur: Diese Vampire sind nicht überirdisch schön, voll düsterem Sexappeal. Sie tauchen in verschiedensten Ausprägungen auf, sie sind Monster - vor allem aber sind sie Menschen, kranke Menschen, infiziert mit einem vorzeitlichen Virus. Und so führt der Mensch auf einmal nicht Krieg gegen eine andere Spezies, sondern gegen seine eigene Art. 

Vor der Lektüre von V-Wars sollte man zunächst wissen, dass es sich bei dieser Ausgabe um eine Art Kompendium handelt: Die verschiedenen Geschichten rund um mit dem Vampir-Virus infizierte Menschen stammen von verschiedenen Autoren, unter anderem von Dacre Stoker, einem Nachfahren des Vaters des modernen Vampirromans, Bram Stoker. Möglicherweise ist dies auch die Quelle der für mich größten Schwäche des Romans: Die Handlung wird zeitweise zu unübersichtlich, vor allem tauchen jedoch zu viele verschiedene Charaktere auf, die miteinander mehr oder weniger in Beziehung stehen. Ein Personenverzeichnis wäre hier zuweilen hilfreich gewesen. 

Auch sonst gibt es Unterschiede in den einzelnen Geschichten. So unterscheiden sich etwa die Erzählperspektiven, aber auch die jeweils zugrunde liegende Recherche. Besonders spannend fand ich jene Kapitel, in denen die Herkunftsgeschichte der jeweiligen Vampirgattung näher beleuchtet wird. Denn: Jeder erkrankte Mensch wird zu dem Vampir, der in seinem Herkunftsland beziehungsweise dem Land, aus dem seine (genetischen) Vorfahren überwiegend stammen, bekannt ist. So würde etwa ein Amerikaner mit hauptsächlich rumänischen Vorfahren zu einem sogenannten "Strogoi", ein Australier mit griechischem Hintergrund zu einem "Wrukolaka" und so weiter. Dabei verwandelt das Virus die Menschen nicht nur in Vampire: Wir begegnen auch Katzenmenschen, Werwölfen und sogar einem Oger. 

Dies ist eine weitere Schwäche des Buches: Statt seinem Titel treu zu bleiben, fächert sich das Krankheitsspektrum in die verschiedensten Arten mythologischer Kreaturen. Dabei bietet eigentlich der Vampirismus für sich schon mehr als ausreichend Spielraum für verschiedene Krankheitsbilder (siehe oben). Durch die schiere Zahl bleiben die einzelnen Charaktere und Kreaturen überwiegend blass. Mit keinem fiebert man mit, an keinem Schicksal nimmt der Leser wirklich Anteil. Bei manchen Figuren hätte ich mir gewünscht, dass ihnen mehr Raum im Buch eingeräumt würde, weil ihre Geschichte interessanter erschien als die anderer. Vielleicht kann die Serie hier nachbessern. 

Dennoch ist V-Wars - Die Vampirkriege ein spannender, bisweilen auch sehr brutaler und blutiger Roman, der Fans von Charlaine Harris etwa durchaus gefallen dürfte. Zwar fehlt hier, anders als in 'klassischen' Vampirromanen, die Erotik, aber dies wird durch die Vielfalt insbesondere der Vampire wettgemacht. Die Idee eines Virus', das jahrtausendelang im ewigen Eis eingeschlossen war und durch die Klimaerwärmung in die menschliche Zivilisation gelangt, überzeugt (und erscheint sogar beängstigend real). 

Nach diesem Buch freue ich mich umso mehr auf die Serie, die voraussichtlich noch 2019 bei Netflix erscheinen wird. Die Hauptrolle übernimmt hier mit Ian Somerhalder ein bekannter Vampirdarsteller. (Er war Damon Salvatore in der Serie Vampire Diaries.)

Jonathan Maberry: V-Wars - Die Vampirkriege, übers. von Maike Hallmann, Birgit Herden, Fischer TOR Verlag, Frankfurt (Main) 2019, 560 S., ISBN 978-3-596-70458-3, 16,99 Euro. 

 

*Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Fischer TOR Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension entspricht jedoch meiner persönlichen Meinung. Es wurden keinerlei Vorgaben zum Inhalt der Rezension gemacht. Ich erhalte dafür keinerlei Vergütung. Der gesetzte Verlagslink dient lediglich der weiterführenden Information.