Gregory Maguire - Wicked. Die Hexen von Oz*

Gregory Maguire - Wicked. Die Hexen von Oz

Inhalt 

Und mit einer unbestreitbar grünen Hautfarbe. [...] Hauptsächlich hatte man den Eindruck von etwas Pflanzlichem. 

Der Untertitel "Die einzig wahre Geschichte der bösen Hexe des Westens" verrät es bereits: Wicked erzählt die Geschichte von Elphaba. Die Erzählung von ihrem Leben beginnt vor ihrer Geburt in Hinterhartung im Munchkinland, wo die Hexe als erstes Kind der schönen Melena und des unionistischen Pfarrers Frexspar geboren wird. Sie ist ein ungewöhnliches Kind mit ihrer grünen Haut und den scharfen Zähnen, voller Bosheit, wie ihr Vater später sagen wird. Als sie etwa 3 Jahre alt ist, verlässt die Familie Munchkinland und geht nach Quadlingen, wo ihr Vater als Missionar tätig ist. 

15 Jahre später trifft der Leser sie in Shiz, wo sie beginnt Biologie zu studieren und das Wesen und die Herkunft der TIERE (welche von den gewöhnlichen Tieren zu unterscheiden sind) zu erforschen. Sie erkennt, dass der despotische Zauberer der Smaragdstadt die TIERE zu Tieren degradieren will und widmet ihr Leben und ihre Fähigkeiten dem Kampf gegen den Zauberer - als böse Hexe des Westens. 

Erzählt wird Elphabas Leben vor der Ankunft Dorothys, als Vorgeschichte zu Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum. 

Meine Meinung und Fazit

Wie wurde Elphaba zur bösen Hexe des Westens? Diese Frage sucht Maguire durch die Erzählung ihres Lebens zu beantworten. Entsprechend ist Elphaba die Protagonistin in Wicked, ohne dabei darauf angelegt zu sein, dass der Leser mit ihr sympathisiert. Ich persönlich mochte sie von Beginn an bis zum Ende - im Gegensatz zu G(a)linda mit ihrer Oberflächlichkeit und zu Nessarose, der Schwester Elphabas, und ihrer Frömmelei. Ob sie wirklich böse ist, bleibt am Ende offen, denn ihr Verhalten kann durchaus nachvollzogen werden und ihr Titel "Böse Hexe des Westens" ist zum einen selbstgewählt und zum anderen Propaganda des Zauberers. Ich finde hier ein Zitat von Albert Einstein passend: 

Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. 

Elphie, die böse Hexe des Ostens, reiht sich ein in eine lange Reihe missverstandener Bösewichte, die doch böser erscheinen, als sie sind. 

Die Geschichte Elphabas endet mit der Konfrontation zwischen ihr und Dorothy. Leider erscheint die Darstellung sehr hektisch und überladen. Der positive Eindruck der ersten Romanhälfte, die die Kindheit Elphies und ihre Zeit in Shiz schildert, setzt sich in der zweiten Hälfte nicht fort. Die Erzählung schreitet stellenweise zu schnell voran, die Szenerie ist zu chaotisch - fast erweckt es den Anschein, als habe der Erzähler die Geschichte noch unbedingt zu Ende bringen wollen. So viel Zeit er sich zu Beginn lässt, so hektisch wird es zum Ende hin. Immerhin: Obwohl in der zweiten Hälfte sehr viel Personal eingeführt wird, ist ihre Darstellung so, dass der Leser den Überblick behält. 

Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen: Gerade die Erzählung über die Zeit in Shiz erinnerte mich ein Stück weit an die klassischen Internatsromane, die ich als Kind geliebt habe. Ich hätte mir gewünscht, dass das Erzähltempo gleichgeblieben wäre und in der Konsequenz entweder das Buch länger oder in zwei Bände aufgeteilt worden wäre. Auch werden wichtige Fragen nicht beantwortet - eine Kritik, die mir auch bei der Durchsicht anderer Rezensionen, etwa bei Goodreads, mehrfach begegnet ist. Fragen nach der grünen Hautfarbe Elphabas, nach ihrer Seelenlosigkeit, nach ihrer Allergie vor Wasser bleiben offen. Andere Handlungsstränge werden aufgegriffen und dann wieder fallengelassen, wie etwa die silbernen Schuhe, die auf keinen Fall in die Hände des Zauberers geraten dürfen (später spielt das keine Rolle mehr). So bleibt der Leser am Ende etwas unbefriedigt zurück. 

Ich kannte vor der Lektüre weder das Original von Baum, noch das gleichnamige Musical, sodass ich hierzu keine Vergleiche ziehen kann. Mir wurde jedoch gesagt, dass sich Roman und Musical zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. 

Außer Wicked gibt es drei weitere Erzählungen aus Oz. 

Insgesamt fand ich das Buch gut, wobei mir die erste Hälfte deutlich besser gefallen hat als die zweite. Der Schreibstil ist angenehm und durchaus fesselnd; anspruchsvoll, aber ohne ausschweifend oder elaboriert zu sein. Das Zitat aus der Kirkus Review (zitiert im Buchklappentext), das einen Vergleich mit Lewis Carrolls Alice im Wunderland und J.R.R. Tolkiens Hobbit zieht, ist allerdings unzutreffend. An das literarische Niveau beider Werke reicht Wicked nicht heran. 

Es bleibt ein guter, unterhaltender Fantasyroman, der nicht immer vollends überzeugt, aber kurzweilig unterhalten konnte. Die Vorgeschichte hat mich motiviert, nun auch endlich einmal das Original zu lesen.

 

Gregory Maguire: Wicked - Die Hexen von Oz. Die wahre Geschichte der bösen Hexe des Westens, übers. von Hans-Ulrich Möhring, Hobbitpresse in Klett-Cotta, Stuttgart 2018, 533 S., ISBN 978-3-608-96210-9, 13 Euro. 

 

*Dieser Beitrag ist nicht gesponsert und gibt meine persönliche Meinung wieder.