Gedanken zum Jahreswechsel

Gedanken zum Jahreswechsel
#newyearnewme - rund 800.000 Beiträge finden sich unter diesem Hashtag allein bei Instagram. Er beschreibt allerhand Motivation: Gewicht verlieren, Abschluss schaffen, mehr Sport treiben, sparsamer leben, verschiedene Süchte aufgeben und so weiter. Und ich kann mich leider nicht davon ausnehmen, denn auch ich habe das neue Jahr mit einigen Vorsätzen begonnen: fitter werden, abnehmen, Job finden, gelassener sein, mehr lesen. Wie lange ich sie durchhalten werde? Schwer zu sagen, aber ich schätze, dass in spätestens acht Wochen ohnehin wieder alles beim Alten ist. Und sind wir doch ehrlich: nichts hat eine so kurze Halbwertszeit wie gute Vorsätze an Silvester. Und dennoch wiederholt sich das Spiel jahraus, jahrein. 

Die Tage habe ich irgendwo gelesen, dass wir das Jahr so schon zu bepackt beginnen. Dass sich das Jahr also gar nicht entfalten kann, weil es von Anfang an schwer zu tragen hat. Und dieses melancholisch-betretene Gefühl, dass in den Tagen nach Weihachten aufkommt, ist doch nur Ausdruck der Erkenntnis, dass man auch dieses Jahr seine Vorsätze wieder nicht durchgehalten hat, obwohl man viel zu sehr damit beschäftigt war seinen eigenen Erwartungen das Jahr hindurch gerecht zu werden. Und so stellt man im Rückblick fest, dass man nicht nur nichts erreicht hat, sondern darüber hinaus die 365 Tage an einem vorbeigezogen sind, ohne dass man sich ihnen bewusst geworden wäre. 

Ich hatte 2017 ganz stark das Gefühl, dass die Zeit vorbeigerannt ist. Dabei ist viel geschehen; auch vieles eingetreten, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte. Aber eben auch nicht alles. Und so war mein Gefühl am Silvestertag doch geprägt von der Enttäuschung darüber, was alles nicht geschehen ist, als von der Freude über das, was ich erreichen konnte. 

"Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert", so ein Sprichwort. Nun ist Hölle vielleicht ein etwas großes Wort für dieses Gefühl, das einen in dieser merkwürdigen Zeit zwischen den Jahren überkommt. Aber vermutlich machen wir es uns einfach selbst schwer, in dem wir an jedes neue Jahr zu große Erwartungen stellen und doch am Ende enttäuscht sind. 

Also ist mein Vorsatz für das Jahr 2018 den Dingen einfach mal ihren Lauf zu lassen. Versuchen achtsamer durch das Jahr zu gehen. Einfach mal nichts erwarten. Aber wie das mit den Vorsätzen so ist: warten wir ab, wie lange ich diesem Vorsatz treu sein werde...