Erste Bände...

erste baende

Wer sich mit den Neuerscheinungen, gerade in der Jugend- und Fantasyliteratur, der letzten Jahre beschäftigt hat, dem wird sicherlich aufgefallen sein, dass der Trend zu Di-, Tri- und Plurologien geht, also zu Reihen mit meist mehr als einem Folgeband. Dies hat bei mir dazu geführt, dass ich zwar den ersten Band dieser Reihe kaufe und lese, aber die Reihe nicht unbedingt beende. 

Ein bisschen Statistik: Aktuell besitze ich aus den o.g. Genres 57 Reihen, davon sind 22 lediglich einzelne erste Bände. Ich habe 24 erste Bände gelesen, 24 Reihen vollständig im Regal stehen, wovon nur 13 gelesen wurden. Das heißt also, dass ich von allen Reihen, die in meinen Regalen vertreten sind, lediglich 22,8 % beendet habe. (Ich hätte gedacht, dass die Statistik schlechter wäre...) 

Warum ist das so? Ich weiß, dass ich damit nicht alleine stehe, sondern gerade unter uns Buchbloggern und Bookstagramern begonnene, nicht vollendete Reihen fast schon die Norm sind. Natürlich waren nicht alle ersten Bände schlecht, meistens liegt die Ursache darin, dass die Folgebände noch nicht erschienen waren (oder sind), dass nach dem ersten Band ein anderes Buch, ob Einzelband oder aus einer anderen Reihe, gelesen wurde und die begonnene Reihe schlicht nicht weiter verfolgt wurde oder andere Gründe. Dazu kommt sicher, dass in der Regel, gerade bei Trilogien, die zweiten Bände deutlich schwächer sind als der erste und der letzte Band. Dieses Phänomen macht sogar vor den Großen der Kunst wie Tolkien nicht Halt. Die Motivation ist hier entsprechend dann auch nicht sehr groß, die Reihe weiterzulesen, gibt es doch so viele großartige Bücher, die darauf warten, gelesen zu werden. Und dann ist da ja auch noch das nächste Rezensionsexemplar, das gelesen werden muss. 

Es gibt so viele Bücher, dass es keinen Sinn hat, welche zu lesen, die einen langweilen. 

(Gabriel García Márquez)

 

Ich habe mir für diesen Beitrag einmal die gelesenen ersten Bände, wo ich die Reihe jedoch nicht weiterverfolgt habe, herausgesucht und mir Gedanken darüber gemacht, warum ich eigentlich nicht weitergelesen habe. 

(Von links nach rechts)

Stephenie Meyer: Biss zum Morgengrauen

Tatsächlich der einzige erste Band, bei dem ich nach der Lektüre wusste, dass ich die Reihe sicher nicht weiterlesen werde. Ich habe vor längerer Zeit zu diesem Thema bereits einen Instagram-Post verfasst und für mich sind die Bücher leider absolut überbewertet. Es ist nicht einmal im Ansatz eine überzeugende Blutsauger-Geschichte. Bella verhält sich weitgehend wie ein dummer, unreifer Teenager und Edward ist schlicht langweilig. Er trinkt kein menschliches Blut, jede Sexiness geht ihm ab, aber dafür glitzert er in der Sonne. Für mich müssen Vampire dunkel, mysteriös, gefährlich und über alle Maßen sexy sein - und nicht in der Sonne glitzern und sich quasi vegetarisch ernähren. 

Cassandra Clare: Clockwork Angel

Im Gegensatz zur Mortal Instruments-Reihe, bei der ich den ersten Band City of Bones mehrfach begonnen und wieder abgebrochen habe, konnte mich der erste Band der Infernal Devices-Trilogie deutlich mehr überzeugen. Natürlich hat mir besonders gut gefallen, dass die Geschichte im viktorianischen London, und nicht im modernen New York, spielt. Hier habe ich auch vor, die Reihe irgendwann zu beenden. 

Jay Kristoff: Nevernight. Die Prüfung

Ein Buch, das ich begonnen, aber bisher noch nicht beendet habe, obwohl der zweite Band bereits erschienen ist und in meinem Bücherregal steht. Die Geschichte hat mir sogar gut gefallen, ich fand sie etwas besonders und anders im Vergleich mit anderer (Jugend-) Fantasy. Ich habe das Buch jedoch für ein anderes zur Seite gelegt und bisher nicht wieder zur Hand genommen. Etwas, das ich dieses Jahr gerne noch nachholen möchte. 

V.E. Schwab: Vier Farben der Magie

Auch hier stehen die Folgebände bereits in meinem Regal. Allerdings hat mir der erste Band nicht so gut gefallen, dass ich Lust und Muse hatte, den zweiten gleich hinterher zu lesen. Zumal ich bisher viele kritische Stimmen gehört und gelesen habe, die den zweiten Band zuweilen sehr langatmig und zäh fanden. Ich fürchte, dass ich große Lust auf eine Reise in das rote London haben muss, um die Trilogie weiterzulesen. 

Die Rezension zu Vier Farben der Magie findest du hier

Neal Shusterman: Scythe. Die Hüter des Todes

Dieser erste Band war grandios und konnte mich absolut überzeugen. Eine außergewöhnliche Dystopie, die eine Zukunft malt, die nicht nur sehr realistisch, sondern zugleich äußerst beängstigend wirkt. Den zweiten Band, den ich mir auf der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr signieren lassen konnte, möchte ich auf jeden Fall demnächst lesen und ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte um Citra und Rowan weitergehen wird. 

Die Rezension zu Scythe. Die Hüter des Todes findest du hier

Markus Heitz: Wedora. Staub und Blut 

Auch diesen ersten Band habe ich begonnen, aber nicht beendet. Die Geschichte konnte mich ehrlicherweise nicht richtig packen. Ich denke, dass es nicht die richtige Zeit war, das Buch zu lesen. Momentan reizt mich auch der Gedanke, es wieder zur Hand zu nehmen, wenig. Warten wir ab, ob ich irgendwann noch Lust haben werde, die Geschichte um Wedora zu beenden. 

 C.E. Bernard: Palace of Glass. Die Wächterin

Schon jetzt eines meiner Jahreshighlights 2018 und ein großartiges Debüt! Der erste Band konnte mich absolut überzeugen und der zweite Band, Palace of Silk. Die Verräterin, liegt bereits auf meinem "Want to read"-Stapel für Juni. Im zweiten Band werden wir Rea nach Paris begleiten, darauf freue ich mich schon sehr. Diese Reihe werde ich auf jeden Fall noch in diesem Jahr beenden und beenden können, denn der dritte Band, Palace of Fire. Die Kriegerin, erscheint bereits am 23. Juli 2018. 

Wenn Du wissen möchtest, was mich an Palace of Glass begeistern konnte, dann findest du die Rezension zum Buch hier

Mary E. Pearson: Der Kuss der Lüge

Eine unterhaltende YA-Fantasy-Geschichte und ein überzeugender erster Band. Der zweite Band steht bereits im Regal, allerdings muss ich ehrlich zugeben, dass mich hier die Veröffentlichungspolitik des Verlags etwas abgeschreckt hat: Statt drei sind in Deutschland vier Bände erschienen, wobei der dritte Band - ein vergleichsweise schmales Büchlein mit 349 Seiten - ebenfalls 18 Euro kostet. Ich halte grundsätzlich nichts davon, Bücher (und Filme) zur Gewinnmaximierung zu teilen. Gleiches gilt etwa für die deutschen Taschenbuchausgaben von George R.R. Martins Das Lied von Eis und Feuer. Daher überlege ich, den dritten Band auf Englisch zu lesen. Allerdings konnte mich die Geschichte nicht so packen, dass es mir damit eilig wäre. 

David Pirie: Die Augen der Heather Grace. Aus den dunklen Anfängen des Sherlock Holmes

Es ist schon eine Weile her, dass ich den ersten Band der Reihe um Arthur Conan Doyle gelesen habe. Der Krimi, spielend im viktorianischen England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war recht spannend und unterhaltsam, aber aktuell fehlt mir der Reiz, Krimis und Thriller zu lesen. Grundsätzlich möchte ich die Trilogie aber gerne irgendwann beenden. 

Kendare Blake: Der schwarze Thron. Die Schwestern 

Ein außergewöhnlicher Fantasyroman mit interessanten Protagonistinnen, in denen der Leser eine Bezugsfigur findet. Eine düstere Geschichte, was das Buch sicherlich aus der Masse an Fantasyromanen mit jugendlichen Heldinnen heraushebt. Allerdings fand ich das viele Personal und die Sprünge verwirrend, was die Lesefreude leider etwas getrübt hat. Auch hier steht der zweite Band (weitere Bände sind wohl in Planung, aber bisher nicht erschienen) zwar im Regal, aber es ist mir nicht eilig damit, die Geschichte weiterzuverfolgen. Ich denke, ich werde das Erscheinen der Folgebände abwarten, um die Geschichte dann auch beenden zu können. 

Die Rezension zu Der schwarze Thron. Die Schwestern findest du hier

Philip Pullman: Der goldene Kompass* 

Ich habe den ersten Band der Dark Materials-Trilogie gelesen, nachdem ich den gleichnamigen Film von 2007 (?) gesehen hatte. Das ist schon eine Weile her, aber allem Anschein nach haben Buch und Film nicht ausreichend Eindruck auf mich gemacht, als dass ich die Reihe beendet hätte. Ich fand die Geschichte eher kindlich, aber vielleicht gebe ich der Trilogie irgendwann einmal eine zweite Chance... Man kann aber auch nicht alle Bücher dieser Welt lesen, leider. 

*(Bei Das Bernstein-Teleskop, das auf dem Foto zu sehen ist, handelt es sich natürlich um den dritten Band.)

Amy Tintera: Die Legende der vier Königreiche. Ungekrönt. 

Ein großartiger erster Band; den zweiten Band lese ich aktuell. Schon von Beginn an fesselt die Geschichte und diese Spannung wird den gesamten Roman hindurch gehalten. Es hat mir, als Sarah J. Maas-Fangirl, sehr gut gefallen und ich werde diese Reihe auch auf jeden Fall beenden. 

Und nun?

Die Gründe, eine Reihe nicht beenden zu wollen oder zu können sind also vielfältig. Und gerade als Buchblogger neigt man schnell dazu zur nächsten Blume weiterzufliegen, wenn einen das Angebot der ersten nicht oder nicht vollständig begeistern konnte. (Gleiches gilt im Übrigen ganz allgemein für Neuerscheinungen etc.) Sicherlich bringt man sich somit selbst um den ein oder anderen Schatz. Aber mir persönlich fehlt - neben der Muse - schlicht die Zeit jedem Buch eine Chance geben zu können. Wie doch schon Arthur Schopenhauer in seiner Abhandlung Über Lesen und Bücher Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb: 

Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit zu lesen mitkaufen könnte.