Christian Handel: Rosen & Knochen. Die Hexenwald-Chroniken*

RosenundKochen

 Inhalt

Ein dunkles Märchen.

Schneeweißchen und Rosenrot alias Muireann und Rose sind Dämonenjägerinnen. Im Auftrag eines kleinen Dorfes sollen sie den Geist der Hexe vertreiben, der im angrenzenden Wald spukt. Doch einmal betreten, können sie das Grundstück der Hexe nicht so schnell wieder verlassen und gelangen bald hinter das schaurige Geheimnis des Hexenhauses. 

Meine Meinung und Fazit

Mit Rosen und Knochen legt Christian Handel eine düstere Bearbeitung der Grimmschen Märchen Hänsel und Gretel und Schneeweißchen und Rosenrot vor. Ich bin in der Regel kein Freund von Märchenadaptionen, was auch daran liegt, dass sie überwiegend weit hinter dem Original zurückbleiben und keine Bereicherung darstellen. Das ist hier anders. Die Handlung zieht den Leser sofort in ihren Bann. Dafür sorgt auch der hervorragende Erzählstil des Autors, der sehr dicht und plastisch die Umgebung beschreibt. Der Hexenwald erhebt sich dabei ebenso vor dem inneren Auge wie die Protagonistinnen, deren Verhalten nie platt oder nervtötend erscheint. Ich hatte den Eindruck als eine Art stille Beobachterin selbst an der Seite unserer beiden Jägerinnen zu stehen und das Grauen des Ortes auf mich wirken zu lassen. Es kommt vergleichsweise selten vor, dass mich eine Geschichte gleich so in ihren Bann ziehen kann. 

Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, obwohl von Anfang an die düstere Atmosphäre vorherrscht. Am Ende kommt es zum großen Showdown und die Episode wird abgeschlossen. Es gibt also keine Cliffhanger oder Verweise auf Folgebände. Ob für die Lektüre nachfolgender Bände der Hexenwald-Chroniken die Kenntnis von Band 1 Voraussetzung ist, bleibt abzuwarten. 

Dies ist das erste Buch, das ich gelesen habe, in dem ein lesbisches Pärchen die Handlung trägt. Eine angenehme Abwechslung zu den ewig immergleichen Dreiecksgeschichten, wie man sie heutzutage häufig in der Jugend(fantasy)literatur findet. Und obwohl beide Protagonistinnen auch ihre eigenen Sorgen und Probleme mit sich herumtragen, überlagern diese nie das Geschehen, sondern fügen sich unterstützend in die Handlung ein. 

Neben den Ereignissen um Schneeweißchen und Rosenrot enthält das Buch auch eine Kurzgeschichte, ebenfalls eine gruselige Märchenadaption, über den "Flötenspieler", welche das Märchen um den Rattenfänger von Hameln aufgreift. 

Handel wirft außerdem einen Blick auf die Evolution des Märchens als solchem, von seinen schaurigen Anfängen im Volksmund, bei den Gebrüdern Grimm, Andersen und Hauff etwa bis zu den modernen Disney-Adaptionen. Dieser Exkurs hat mir gerade auch als Literaturwissenschaftlerin sehr gefallen. Deutlich wird hier, wie sehr wir uns heute doch von den Ursprüngen von Märchen wie Dornröschen oder Rapunzel entfernt haben, und dass unsere heutigen Geschichten zur Gute Nacht in früheren Zeiten keineswegs kindertauglich waren. 

Rosen und Knochen ist eine Märchenadaption, die mich vollauf überzeugt hat. Charaktere, Handlung und Szenerie sind stimmig und fügen sich zu einer spannenden (fast schon) Gruselgeschichte zusammen. Ich hätte das Buch, aufgrund seiner Atmosphäre, eigentlich wirklich schon im Herbst lesen müssen. Vielleicht schaffe ich das ja für die kommenden Erzählungen der Hexenwald-Chroniken, auf die ich mich schon jetzt freue. 

Christian Handel: Rosen und Knochen. Die Hexenwald-Chroniken, Drachenmond Verlag, Leverkusen 2017, 200 S., ISBN 978-3-95991-512-0, 12 Euro. 

*Dieser Beitrag ist nicht gesponsert und gibt meine persönliche Meinung wider.