(Werbung) Brandon Sanderson - Elantris*

Rezension von Brandon Sanderson - Elantris

Inhalt 

Einst war die Stadt Elantris in Arelon ein Juwel, ihre Bewohner wurden als Götter verehrt. Doch vor zehn Jahren endeten die Magie und der Glanz. Ein Fluch schien auf Elantris und sein Volk gefallen zu sein. 

Dieser Fluch trifft alle, ob Bauer oder Adliger, und so auch den jungen Kronprinzessin Raoden, der das traurige Schicksal der einst so blühenden Stadt ergründen will. Seine hinterbliebene Verlobte, die teodische Prinzessin Sarene, stellt sich derweil den politischen und religiösen Umwälzungen, die Arelon bedrohen; nicht zuletzt durch das Wirken des Gyorns Hrathen, der dem Wyrn zu uneingeschränkter Macht im Königreich Arelon verhelfen will. 

Doch alle Handlungsfäden sind miteinander verwoben und das Schicksal Elantris' betrifft jeden in Arelon. 

Meine Meinung und Fazit

Nachdem ich in letzter Zeit überwiegend Jugendfantasy gelesen habe, war Elantris der erste High Fantasy-Roman seit Jahren und zugleich mein erstes Buch von Brandon Sanderson. Und es hat mir sehr gut gefallen. Der Autor konnte die Spannung auch an Stellen halten, an denen vergleichsweise wenig passiert und die eher von theologischen Diskursen geprägt sind. Doch gerade in der zweiten Hälfte nimmt die Handlung Fahrt auf. 

Das Ende selbst war zwar absehbar, enthält aber überraschende Elemente. Besonders überzeugen dabei die charakterlichen Wendungen und Entwicklungen der Protagonisten, etwa des Gyorns, aber auch verschiedener Adliger. Keiner der Charaktere erscheint flach oder konturlos, sondern sie alle werden als authentische Figuren mit Stärken und Schwächen gezeichnet. 

Erzählt wird das Geschehen aus den Blickwinkeln von Raoden, Sarene und Hrathen. Durch diese drei Perspektiven steht nicht nur eine Figur im Mittelpunkt und der Leser erhält zugleich ein differenziertes Bild des Geschehens. 

Die Welt, die Brandon Sanderson hier entwirft, ist eine magische, die jedoch ohne das übliche fantastische Personal auskommt. Die Magie ist allgegenwärtig - Religion und Magie leben in einer (friedlichen) Koexistenz. Die Beschreibung von Elantris ist detailliert genug, um die Stadt vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, aber gleichzeitig so offen, dass das Bild frei ausgestaltet werden kann. So hatte ich etwa bei der Beschreibung von Elantris die ebenfalls fantastische Elbenstadt Gondolin aus J.R.R. Tolkiens Das Silmarillion (freilich in einer heruntergekommeneren Version) vor Augen.

Sanderson zeigt in seinem Roman unter anderem auf, dass Religion und Kirche bzw. Religion und Religionsvertreter voneinander zu unterscheiden sind - eine durchaus moderne, wirklichkeitsbezogene Feststellung. Interessant ist auch das Adelsgefüge in Arelon: Die Herrschaft geht, so zumindest zu Beginn, im Falle eines Machtvakuums an den reichsten Kaufmann und nicht etwa an den ältesten Adligen. Wer Geld hat, hat Macht - auch das ist ein moderner Gedanke. 

Zusammenfassend habe ich die Reise nach Elantris sehr genossen. Eine angenehme Abwechslung zu Romantasy und Co. Trotz der 920 Seiten ließ sich die Geschichte gut lesen und an keiner Stelle hatte ich das Gefühl im Buch nicht voranzukommen. Gerade ab der Mitte und im letzten Drittel des Romans sind die Seiten geradezu geflogen. Der Schreibstil Sandersons war flüssig und angenehm zu lesen. 

Besonders gut gefallen haben mir auch das die Karte von Arelon, das Glossar, worin die verschiedenen Aonen gezeigt und erklärt sind, sowie die Kurzgeschichte Hoffnung von Elantris, die in dieser Neuauflage das Hauptwerk ergänzt. 

Ich empfehle den Roman jedem, der sich für High Fantasy im Stil von Tolkien und George R.R. Martin begeistern kann und sich von einer Seitenzahl jenseits der 500 nicht abschrecken lässt. Es wird nicht mein letztes Buch von Brandon Sanderson gewesen sein und die Lust auf mehr High Fantasy konnte Elantris bei mir auf jeden Fall (wieder) wecken. 

 

Brandon Sanderson: Elantris, übers. von Ute Brammertz, Karen Gerwig, Piper Verlag, München 2018, 928 S., ISBN 978-3-492-28153-9, 15 Euro. 

*Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Piper Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension entspricht jedoch meiner persönlichen Meinung. Es wurden keine Vorgaben zum Inhalt der Rezension gemacht. Ich erhalte dafür keinerlei Vergütung. Der Verlagslink dient lediglich der weiterführenden Information.